FAQ
1. Stimmt es, dass in Montessori-Schulen jahrgangsgemischt gearbeitet wird?
Ja, das stimmt und es hat einen guten Grund. In allen anderen gesellschaftlichen, politischen und sozialen Bereichen arbeiten und leben Menschen in altersgemischten Strukturen. Warum also nicht auch in Schulen? In altersgemischten Klassen lernen Kinder, Hilfe zu leisten und Hilfe zu empfangen. Beides ist wichtig für die geistige und soziale Entwicklung der Heranwachsenden. Altersgemischte Klassen reduzieren die Rivalität und fördern die Toleranz.
2. Welche Kinder werden an einer Montessori-Schule aufgenommen?
Montessori-Schulen stehen grundsätzlich allen Kindern offen – unabhängig von Religion, Hautfarbe, Geschlecht und Einkommen der Eltern. Am Tag der offenen Tür kann ein Eindruck darüber gewonnen werden, ob das Konzept und die Arbeitsweise der Schule den Vorstellungen der Kinder, Jugendlichen und Eltern entspricht. Nach ausführlichen Informations-Elternabenden findet für jedes Kind ein Aufnahmegespräch an der Schule statt. Der Aufnahmemodus wird an den Schulen individuell gestaltet.
3. Ist es nicht so, dass hauptsächlich Kinder mit Lernschwierigkeiten auf die Montessori-Schule gehen?
Nein. An Montessori-Schulen lernen Kinder aller Begabungsrichtungen. Da schwerpunktmäßig auch das Lernen gelernt wird (über eine besondere Fehler- und Feedbackkultur), ermöglicht dies jedem Kind, persönliche Fortschritte und Erfolge zu erzielen.
4. Ist Montessori-Pädagogik eine Kuschelpädagogik?
Nein. Es gibt klare Regeln und Zielvorgaben für die Kinder und Jugendlichen. Die Freiheit des Individuums wird begrenzt durch die Bedürfnisse der Gemeinschaft. Ein besonderer Fokus liegt deshalb auf Beziehungen, Kommunikations- und Sozialerfahrungen. In einer Schule, in der nicht nur die intellektuellen Fähigkeiten angesprochen werden, können sich Schlüsselqualitäten wie Teamfähigkeit, Kreativität und die Fähigkeit, prozessual zu denken, vom ersten Schultag an entwickeln. Die Praxis zeigt, dass gerade Montessori-Schüler von Ausbildungsbetrieben besonders geschätzt werden. Die Absolventen studieren und arbeiten erfolgreich in allen Studien- und Berufsfeldern.
5. Welche Abschlüsse können an einer Montessori-Schule erreicht werden?
Grundsätzlich können die gleichen Abschlüsse an einer Montessori-Schule erreicht werden wie an den staatlichen Schulen. Dies reicht – je nach Aufbau der Schule – vom erfolgreichen Mittelschulabschluss bis zum Fachabitur bzw. zur allgemeinen Hochschulreife. Da die Montessori-Schulen staatlich genehmigt sind, werden die Prüfungen großteils an staatlichen Partnerschulen abgenommen. Diese Zusammenarbeit ist von gegenseitigem Respekt geprägt und in einer partnerschaftlichen Vorbereitung darauf ausgerichtet, dass die Schüler in einem guten Umfeld die Prüfungen absolvieren können. Die Schüler sind oft gegenüber den sogenannten Regelschülern im Vorteil, da sie gelernt haben, selbstständig zu arbeiten, den eigenen Lerninteressen zu folgen und sich für ihren Lernprozess verantwortlich zu fühlen.
6. Was bedeutet Freiarbeit?
Freiarbeit ist das Herzstück der Montessori-Pädagogik. In der Freiarbeit entscheidet das Kind, was es arbeitet, mit wem, wo und wie lange. Weil das Interesse an der Sache und der individuelle Lern- und Arbeitsrhythmus berücksichtigt werden, ist die Freiarbeit die Zeit höchster Konzentration. Das Ziel der freien Arbeit ist selbstständiges und eigenverantwortliches Lernen und Arbeiten. Grundvoraussetzung hierfür ist eine „Vorbereitete Umgebung“, die kontinuierlich an die Lern- und Lebensbedürfnisse der Kinder und Jugendlichen angepasst wird.
7. Stimmt es, dass es an der Montessori-Schule keine Noten gibt?
Die kontinuierliche Beobachtung der Kinder ist ein zentraler Bestandteil unserer Montessori-Pädagogik. Über das gesamte Schuljahr hinweg begleiten unsere Lehrkräfte die Lern- und Entwicklungsprozesse der Schülerinnen und Schüler aufmerksam und differenziert. Diese fortlaufenden Beobachtungen bilden die Grundlage für die individuelle Förderung jedes Kindes.
Anstelle klassischer Zwischenzeugnisse findet zum Halbjahr ein Kind-Eltern-Gespräch statt. In diesem Rahmen werden die bisherigen Beobachtungen gemeinsam reflektiert und die nächsten Entwicklungsschritte besprochen.
Am Ende des Schuljahres erhalten die Schülerinnen und Schüler ein individuelles Zeugnis (IzEL), das die gesammelten Beobachtungen zusammenfasst und die persönliche Entwicklung umfassend würdigt.
In Anlehnung an: 21 Fragen an Montessori Schulen, Montessori Bayern Landesverband, 2026.